Willkommen beim Presseclub Dresden

Hervorgehoben

Der Presseclub Dresden ist das Forum für Dialog und Debatte in der sächsischen Landeshauptstadt. Seit über drei Jahrzehnten bringen wir Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur an einen Tisch – offen, meinungsstark und immer nah an den Themen, die Dresden, Sachsen und darüber hinaus bewegen.

Als unabhängige Plattform für Journalistinnen und Journalisten sowie engagierte Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen schaffen wir Raum für fundierten Austausch, kritische Fragen und neue Perspektiven. Unsere Clubabende geben Einblicke hinter die Kulissen aktueller Entwicklungen – regional, national und international.

Dresden braucht Orte für echten Diskurs. Wir sind einer davon.
Seien Sie herzlich eingeladen, zum Zuhören, Mitdenken und Mitreden.

Rückblick September und Oktober 2026

Der Presseclub lebt von Begegnungen, die Perspektiven erweitern, Hintergründe sichtbar machen und den offenen Dialog fördern. Genau das haben die vergangenen Wochen eindrucksvoll gezeigt. Ob die finanzielle Zukunft Dresdens, die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der Neubau der Carolabrücke oder die Frage, wie widerstandsfähig unsere Gesellschaft in Krisenzeiten ist: Unsere Clubabende boten spannende Einblicke, kontroverse Diskussionen und die Möglichkeit, mit Entscheidern und Experten direkt ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie wertvoll persönliche Begegnungen und der Austausch unterschiedlicher Sichtweisen sind.

Den Auftakt machte am 21. September Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der sich den Fragen unserer Mitglieder zur angespannten Haushalts- und Finanzlage der Landeshauptstadt stellte. Im Mittelpunkt standen die geplanten Maßnahmen des Haushalts 2027/2028, darunter mögliche Erhöhungen von Grundsteuer, Parkgebühren und Kita-Beiträgen sowie der geplante Stellenabbau in der Verwaltung. Gleichzeitig wurde über langfristige Projekte wie die Bundesgartenschau 2033 und die Zukunft des Fernsehturms diskutiert. Der Abend machte deutlich, vor welchen schwierigen Entscheidungen die Stadt steht und wie groß das Interesse an einem offenen Austausch über Dresdens Zukunft ist.

Am 28. September führte uns ein Clubabend an einen besonderen Ort: in die Räumlichkeiten von TSSB Architekten. Dort stellte Jan Tröber den Siegerentwurf für den Neubau der Carolabrücke vor. Zwei Jahre nach dem Einsturz der Brücke erhielten unsere Mitglieder exklusive Einblicke in den deutschlandweit beachteten Planungs- und Auswahlprozess. Diskutiert wurden die zentralen Merkmale des Entwurfs, die nächsten Planungsschritte sowie die Herausforderungen auf dem Weg zur Umsetzung. Der Abend bot die seltene Gelegenheit, ein Projekt kennenzulernen, das die Entwicklung der Stadt über Jahrzehnte prägen wird.

Am 5. Oktober war Andreas Fritsch, Direktor des MDR-Landesfunkhauses Sachsen, zu Gast im Presseclub. Rund ein Jahr nach seinem Amtsantritt zog er Bilanz und sprach über die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und medialer Veränderungen. Im Mittelpunkt standen Fragen nach der Zukunft des MDR, den Auswirkungen des Spardrucks und der Aufgabe unabhängiger Medien in einer zunehmend fragmentierten Informationslandschaft. Die lebhafte Diskussion zeigte, wie wichtig vertrauenswürdiger Journalismus und glaubwürdige Medien gerade in bewegten Zeiten sind.

Den Abschluss des Rückblicks bildet unser besonderer Clubabend Ende Oktober mit dem finnischen Botschafter Kai Sauer. Gemeinsam mit Oberst Marco Tkotz, Chef des Landeskommandos der Bundeswehr Sachsen, und Kai Kranich vom Deutschen Roten Kreuz wurde über Zivilschutz, Krisenvorsorge und gesellschaftliche Resilienz diskutiert. Ein zentrales Fazit des Abends war, dass Finnlands Stärke nicht allein auf organisatorischen Strukturen beruht, sondern auf einem gesellschaftlichen Selbstverständnis, das Sicherheit als gemeinsame Verantwortung von Staat, Wirtschaft, Hilfsorganisationen und Bevölkerung versteht. Zugleich wurde intensiv darüber gesprochen, welche Ansätze auf Deutschland übertragbar sind und welche Rolle Kommunikation, Aufklärung und gesellschaftlicher Zusammenhalt für die Bewältigung von Krisen spielen.

Die Clubabende im September und Oktober haben einmal mehr gezeigt, wofür der Presseclub steht: für den direkten Austausch mit Entscheidern, für Einblicke hinter die Kulissen relevanter Entwicklungen und für offene Diskussionen über die Themen, die unsere Stadt und unsere Gesellschaft bewegen.

Samuel Koch erhält den 27. Erich-Kästner-Preis

„Lasst uns einander viel mehr helfen. Es ist multipliziertes Glück.“

Ein besonderer Vormittag auf Schloss Albrechtsberg: Am 30. August 2026 hat der Presseclub Dresden den Schauspieler, Autor und Redner Samuel Koch mit dem 27. Erich-Kästner-Preis ausgezeichnet. Mit der Ehrung würdigt der Presseclub sein öffentliches Eintreten für ein respektvolles Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, für gesellschaftliche Teilhabe, Toleranz und Verständigung sowie seinen Mut, mit dem er Menschen in schwierigen Lebenslagen inspiriert.

Die Laudatio hielt Bischöfin Kirsten Fehrs, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie würdigte Samuel Koch für seine „Haltung der Aufrichtigkeit, die andere aufrichtet“ und dafür, dass er über Hoffnung spricht, ohne die Wirklichkeit schönzureden.

Eine Ehrung, die Samuel Koch sichtbar berührte

Samuel Koch nahm die Auszeichnung mit seiner Mutter Marion im Festsaal von Schloss Albrechtsberg entgegen. Die Preisverleihung war für ihn auch eine persönliche Begegnung mit Dresden: Seine Großmutter wurde 1930 in der Stadt geboren und lebte an der Bürgerwiese. Die Verbindung zu Dresden und zu Erich Kästner, der ebenfalls in Dresden geboren wurde, gab der Veranstaltung für Koch eine besondere Bedeutung.

In seiner Dankesrede zeigte sich Samuel Koch persönlich, humorvoll und zugleich nachdenklich. Er sprach über seine Familie, über Musik, über Erich Kästner und natürlich über die Themen, die sein öffentliches Wirken prägen: Inklusion, Teilhabe und die Verantwortung jedes Einzelnen. Dabei richtete er den Blick immer wieder weg von sich selbst und hin zu den Menschen, die ihn unterstützen und anderen helfen. Auch den Applaus wollte er nicht allein für sich entgegennehmen. Er bat darum, ihn weiterzugeben, an die Menschen, die hinter ihm stehen und ihm ermöglichen, am Leben und an der Gesellschaft teilzuhaben. „Seit vielen Jahren bin ich bemüht, den Schmerz der Anderen zu sehen. Dass dies nun wiederum vom Presseclub Dresden gesehen wurde, tut gut; und beflügelt mich und uns für die Vereins-Arbeit mit ‚Samuel Koch & Freunde e.V.‘“, sagte Koch.

„Was können wir dem Leben bieten?“

Samuel Kochs Worte waren zugleich eine Einladung zum Perspektivwechsel. „Viele fragen, was ihnen das Leben bieten kann. Dabei sollten wir fragen, was wir dem Leben bieten können.“ Damit traf er einen Kern dessen, wofür der Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden seit seiner ersten Verleihung 1994 steht: für Menschen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich für Toleranz, Humanität und Völkerverständigung einsetzen. Auch seine Auseinandersetzung mit Erich Kästner machte deutlich, warum Koch die Auszeichnung als passend empfindet. Kästner habe es verstanden, Humor und ernste Themen miteinander zu verbinden und trotz aller Zweifel die Hoffnung nicht aufzugeben. Angesichts einer vielfach schwierigen Gegenwart sei es wichtiger denn je, den Blick auf das zu richten, was Menschen miteinander verbindet.

Tobias Wolf, Co-Vorsitzender des Presseclubs Dresden, betonte: „Samuel Koch verkörpert mit seinem Einsatz für gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Einschränkungen, für Toleranz und Verständigung genau die Werte, die wir mit dem Erich-Kästner-Preis seit über drei Jahrzehnten würdigen.“

10.000 Euro für zwei inklusive Projekte

Zur Auszeichnung gehört neben der Skulptur des Dresdner Bildhauers Vinzenz Wanitschke ein Preisgeld von 10.000 Euro. Wie die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger wird auch Samuel Koch das Geld für gemeinnützige Zwecke weitergeben. Je 5.000 Euro gehen an zwei Projekte, die sich für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe engagieren.

Die eine Hälfte erhält der Dresdner Kunst- und Kulturverein farbwerk e.V.. Der Verein schafft seit 20 Jahren Zugänge zu künstlerischen Angeboten für Menschen mit und ohne Behinderung in Sachsen. Im Jubiläumsjahr 2026 baut farbwerk das erste professionelle Ensemble in Sachsen für Darstellerinnen und Darsteller mit Lernschwierigkeiten auf. Das Preisgeld soll dieses Vorhaben unterstützen.

Die andere Hälfte geht an den Verein „Samuel Koch & Freunde e.V.“, der sich unter anderem für Barrierefreiheit in Kunst, Kultur und Freizeit einsetzt und Menschen unterstützt, die anderen in Notlagen zur Seite stehen. Damit bleibt die Auszeichnung nicht bei einer symbolischen Ehrung stehen: Das Preisgeld fließt unmittelbar in Projekte, die Teilhabe ermöglichen und Menschen zusammenbringen.

Ein Preis mit Tradition und Haltung

Der Presseclub Dresden verleiht den Erich-Kästner-Preis seit 1994 im Zwei-Jahres-Rhythmus. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich um Toleranz, Humanität und Völkerverständigung verdient gemacht haben und durch ihr Wirken gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Ignatz Bubis, Marion Gräfin Dönhoff, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher und Dieter Hildebrandt. 2024 wurde Natalija Bock, Mitgründerin des Ukrainischen Zentrums in Dresden, geehrt.

Mit Samuel Koch setzt der Presseclub diese Tradition fort und rückt zugleich ein Thema in den Mittelpunkt, das unsere Gesellschaft weiterhin fordert: die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen. Die Verleihung auf Schloss Albrechtsberg hat dabei gezeigt, dass es bei Inklusion nicht allein um Strukturen und Barrierefreiheit geht, sondern ebenso um Haltung, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, füreinander Verantwortung zu übernehmen. Oder, um es mit Samuel Koch zu sagen: „Lasst uns einander viel mehr helfen. Es ist multipliziertes Glück.“

Fotos: Anke Wolten-Thom

Sachsens Schulen und ein trendwendender Minister: Conrad Clemens im Dresdner Presseclub

Der Clubabend des Dresdner Presseclubs mit Kultusminister Conrad Clemens drehte sich um mehr als einzelne Maßnahmen gegen Unterrichtsausfall. Oder wilde Rasereien. Im Gespräch wurde deutlich: Clemens hat mehrere Trendwenden in der Gesellschaft erkannt, deren Linien er nun ins Schulsystem trägt, dem größten Tanker auf dem sächsischen Arbeitsmarkt.

Die sichtbarste betrifft den Unterrichtsausfall. Der Minister verteidigte seinen Kurs, Ausfälle sind landesweit erstmals seit Jahren gesunken – besonders an Ober- und Förderschulen. Der Preis dafür: Lehrkräfte werden stärker zwischen Schularten und Regionen verschoben. Clemens räumte ein, dass diese Umsteuerung an einzelnen Grundschulen neue Belastungen geschaffen hat. Seine Konsequenz ist jedoch nicht der Rückzug: Abordnungen sollen künftig kein Ausnahmeinstrument mehr sein, sondern zum neuen Normal werden. Wer Kapazitäten hat, soll dort unterrichten, wo sie fehlen – auch über Schularten und weitere Wege hinweg.

Damit verbindet sich eine zweite Trendwende: Die Oberschule soll aus der Rolle der vermeintlichen zweiten Wahl herauskommen. Clemens will Lehramtsstudierende früher mit dieser Schulart in Berührung bringen, Grundschullehrkräfte stärker auch für höhere Klassen qualifizieren und den Unterricht an Oberschulen verlässlicher absichern.
Noch weiter reicht sein Blick auf die Schulstruktur. Den Begriff Reform vermied der Minister bewusst. Gleichwohl beschrieb er Modelle, die die bisherigen Grenzen flexibler machen würden: Kooperationen von Gymnasien und Oberschulen, jahrgangsübergreifender Unterricht sowie die „Oberschule Plus“, in der Kinder von Klasse 1 bis 10 länger gemeinsam lernen. Das gegliederte System soll bestehen bleiben. Aber dort, wo Demografie und Personalmangel starre Strukturen unmöglich machen, denkt Clemens über neue Übergänge und längeres gemeinsames Lernen nach.

Eine weitere Trendwende zeigte sich bei digitalen Medien. Beim Handyverbot bleibt Clemens ein nachdenklicher Hardliner: Handys sollen bis Klasse 8 aus dem Schulalltag verschwinden, zugleich soll Medienbildung bereits ab Klasse 1 beginnen. Und waren die milliardenschweren iPads und White Boards in den Klassenzimmern eigentlich eine gute Idee? Beim Social-Media-Verbot zeigte er sich kontemplativer als zuletzt: Von einem starren Ausschluss von U14-Jährigen rückte er im Presseclub ab. Und würde gern nicht nur Kinder und Eltern, sondern vor allem die Plattformen und ihre Geschäftsmodelle stärker in die Verantwortung nehmen – möglichst auf europäischer Ebene.

Der Abend zeigte einen Minister, der große Eingriffe nicht scheut und mehrere Konfliktlinien gleichzeitig eröffnet. Ob daraus tatsächlich bessere Schulen entstehen, wird sich nicht allein an Statistiken entscheiden, sondern an der Realität in den Kollegien und Klassenzimmern. Nach seinem 300. Schulbesuch zeigte sich der Minister bestätigt.

Vielen Dank an Conrad Clemens für das Gespräch und an alle Gäste für die intensive Debatte im DRESDEN 1900.

Das war der 18. Sommerschwatz des Presseclub Dresden:

Kühle Temperaturen, aber warme Gespräche: Der 18. Sommerschwatz des Presseclub Dresden hat einmal mehr gezeigt, welche besondere Kraft im persönlichen Austausch liegt. Rund 100 Gäste aus Politik, Medien, Kultur und Gesellschaft kamen zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Gedanken zu teilen und neue Perspektiven zu gewinnen. Gerade in Zeiten, in denen viele Entwicklungen gleichzeitig herausfordern, ist es umso wertvoller, Räume zu schaffen, in denen Begegnung, Dialog und gegenseitiges Zuhören möglich werden. Dass so intensiv „geschwatzt“ wurde, lag aber nicht nur an den aktuellen Themen, es lag auch an der offenen Atmosphäre, an der Neugier der Gäste und an dem spürbaren Wunsch, miteinander verbunden zu bleiben.

Kulinarisch wurde der Abend auf hohem Niveau vom Team des INNSiDE by Meliá begleitet. Eine große Weinauswahl vom Kaiserstuhl aus der Vulkanregion, Sushi von Sushi & Wein sowie Getränke und Biercocktails von Radeberger und Oppacher rundeten das Angebot ab und machten den Abend auch genussvoll zu einem besonderen Erlebnis.

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte Multiinstrumentalist George Pesek, organisiert über die Jazz- und Eventagentur Gabriele Kaul.

Am Ende bleibt die Erinnerung an einen Abend, der mehr war als ein sommerliches Netzwerktreffen. Er war ein Zeichen dafür, wie wichtig persönliche Begegnungen sind, besonders in bewegten Zeiten. Denn echter Austausch entsteht dort, wo Menschen sich Zeit nehmen, einander zuzuhören, Fragen zu stellen und miteinander im Gespräch zu bleiben.

Ein herzliches Dankeschön an alle Gäste, Sponsoren sowie Unterstützer, die diesen Abend möglich gemacht und mit Leben gefüllt haben

Fotos: Anke Wolten-Thom

Social Media: Trends, Zukunft und Herausforderungen

Social Media ist längst kein Zusatzkanal mehr. Es ist Öffentlichkeit, Service, Krisenkommunikation, Reichweite, Community-Arbeit und manchmal auch Zumutung.

Beim Clubabend des Dresdner Presseclubs haben wir genau darüber gesprochen: „Social Media – Trends, Zukunft und Herausforderungen“. Zu Gast waren Andreas Szabó, Social-Media-Berater und Journalist, sowie Ilja Almendinger, Content- und Strategiemanager in der Onlineredaktion der Landeshauptstadt Dresden.

Ein paar Gedanken, die mir aus dem Abend besonders hängen geblieben sind:

Social Media ist nicht automatisch für alle die Lösung. Aber wer junge Zielgruppen, Bewerberinnen und Bewerber, Kundschaft oder eine eigene Community erreichen will, kommt kaum noch daran vorbei. Entscheidend ist nicht, überall zu sein, sondern den richtigen Kanal für das richtige Ziel zu nutzen.

Gleichzeitig hat sich Social Media stark verändert. Von „sozialen Netzwerken“ zu sprechen, greift 2026 kaum noch. Viele Plattformen funktionieren weniger über persönliche Verbindungen, sondern über algorithmisch gesteuerten Medienkonsum. Was hängen bleibt, bekommt Reichweite. Was nicht in Sekunden Aufmerksamkeit erzeugt, verschwindet.

Besonders spannend war der Blick auf kommunale Kommunikation: Die Stadt Dresden nutzt Social Media nicht nur, um Pressemitteilungen anders zu verpacken, sondern um Themen direkt zu erklären, Fragen aufzugreifen und eine Community aufzubauen, die selbst mitdiskutiert und Falschinformationen einordnet. Gutes Community-Management ist dabei kein Nebenjob, sondern ein zentraler Teil glaubwürdiger Kommunikation.

Auch über Trends haben wir gesprochen: kurze Videos, Hochkant-Formate, WhatsApp-Kanäle, LinkedIn, YouTube als Suchmaschine, mehr Persönlichkeit vor der Kamera — und den Gegentrend zur Hochglanzproduktion. Gerade in Zeiten von KI gewinnt echte, menschliche Kommunikation wieder an Wert.

Für den Journalismus bleibt die Frage besonders drängend: Wenn Öffentlichkeit zunehmend auf Plattformen stattfindet, kann Journalismus dort nicht fehlen. Oder zugespitzt: Social Media killt den Journalismus nur dann, wenn der Journalismus dort nicht stattfindet.

Vielen Dank an Andreas Szabó und Ilja Almendinger für die offenen Einblicke, an alle Gäste für die Diskussion und an den Dresdner Presseclub für den Abend.

Text und Bild: Erik Töpfer

18. SommerSchwatz am 15. Juni 2026 – Jetzt Tickets sichern!

Der 18. SommerSchwatz des Presseclubs Dresden steht vor der Tür: Am 15. Juni 2026 treffen sich Journalisten, Pressesprecher sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zum Netzwerken, Austauschen und Genießen im INNSIDE by Meliá Dresden.

Freuen Sie sich auf gute Gespräche, Live-Musik, ein abwechslungsreiches Buffet, Sushi-Spezialitäten sowie ausgewählte Getränke in besonderer Atmosphäre.

Die Nachfrage ist groß. Wer dabei sein möchte, sollte jetzt schnell sein und sich seinen Platz sichern. Tickets für 48 € (Mitglieder 30 €) unter info@presseclub-dresden.de

15. Juni 2026 | 19:30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr)
INNSIDE by Meliá Dresden, Salzgasse 4, 01067 Dresden


Mit freundlicher Unterstützung unserer Partner und Sponsoren:

Unser herzlicher Dank gilt allen Partnern und Unterstützern, die den SommerSchwatz 2026 möglich machen.

Das Erich-Kästner-Museum „Spitz auf Knopf“ vor der Schließung

„Resignation ist kein Gesichtspunkt“, sagte Andrea O’Brien beim Clubabend des Dresdner Presseclubs im Erich-Kästner-Museum. „Aber der Selbstschutzknopf ist in der Nähe.“ Besser ließe sich dieser Abend kaum zusammenfassen. Denn wir sprachen mit der Leiterin des Hauses nicht nur über die Geschichte eines besonderen Museums, sondern auch über einen Ort, der für kulturelle Bildung, bürgerschaftliches Engagement und die freie Szene in der Stadt steht. Und nun um seine Existenz bangen muss.

Was das Haus so besonders macht, erklärte O’Brien gleich zu Beginn: Es ist kein klassisches Literaturmuseum, sondern ein Ort der aktiven Entdeckung. Über sechs Jahre hinweg entstand aus Spendengeldern, Sachleistungen und viel Beharrlichkeit ein Museum, das seine Besucher nicht zu passiven Rezipienten machen will. Mehr als 500 Exponate in Schubladen, Hörstationen und mobilen Elementen laden dazu ein, sich Kästners Werk selbst zu erschließen. Der Nutzer werde hier – ganz im Sinne Kästners – zu seinem eigenen Wissensredakteur, so O’Brien treffend.

Schnell wurde der Abend aber auch (kultur)politisch. O’Brien schilderte sehr konkret, wie hart die Einschnitte die freie Kulturszene treffen. Beim Kästner-Haus kommen gestiegene Kosten und gekürzte Zuschüsse durch Stadt und Land zusammen; allein die Miete sei um mehr als 12.000 Euro gestiegen, zugleich seien 10.000 Euro Förderung weggefallen. Das kann ein so kleines Team kaum auffangen. Auf dem Papier gibt es eine volle, kaum eine halbe Stelle, einen FSJler und Praktikanten. Dabei ist das Interesse an dem Haus ungebrochen: Schulanfragen sind regelmäßig überbucht, und weil Kästner in mehr als 70 Sprachen übersetzt ist, kommen auch viele Anfragen aus dem Ausland. 

Gefährdet ist hier kein Liebhaberprojekt am Stadtrand, sondern ein vermittelnder Ort in der Mitte der Landeshauptstadt. O’Brien warb deshalb für mehr Planungssicherheit, für neue Verbindungen zwischen Kultur, Politik und Privatwirtschaft und für einen breiteren kulturpolitischen Blick. Kultur, so klang es an diesem Abend immer wieder an, ist eben nicht das Sahnehäubchen, sondern der Ort, an dem Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommt. 

Und natürlich ging es immer wieder um Kästner selbst. Seine Vielseitigkeit, seine Nähe zu den Medien, sein Humanismus, seine Themen von sozialer Gerechtigkeit bis Pazifismus – all das macht ihn, so O’Brien, bis heute anschlussfähig. Wer mit Kästner sozialisiert sei, habe nicht nur in diesem Museum das Gefühl, „hier ist der Mensch gemeint“. Genau das ist wohl die größte Stärke dieses Hauses.

Text: Erik Töpfer

Kontroverse als Programm: Holger Friedrich im Presseclub Dresden

Einigkeit bestand wohl nur in der Kontroverse: Am 19. März war Holger Friedrich zu Gast im „Presseclub Dresden“. Der Unternehmer hatten erst die „Berliner Zeitung“ übernommen und sorgt seit kurzem mit der Gründung der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (OAZ) für Aufsehen in der Medienbranche. Das brachte viel Diskussionsbedarf mit sich.

Selten zog ein Clubabend so viele Interessenten an, der Grund lag auf der Hand. Holger Friedrich provoziert: Widerspricht die Gründung eines neuen Printprodukts dem Branchentrend, so tun es Feierlichkeiten in der Russischen Botschaft dem politischen Taktgefühl vieler. So verwundert es nicht, dass es viele Fragen an den neuen Spieler im ostdeutschen Mediengeschäft gab. Nicht nur, dass Friedrich antwortet, er geht gleich in die Offensive. Dass der OAZ-Chefredakteur Dorian Baganz schon nach kurzer Zeit hinschmiss, sei Folge konzeptioneller Ideen, die der junge Journalist nicht mitgehen wollte, aus Friedrichs Sicht ein Fehler. Doch seine Sicht bleibt streitbar: So erntete er im Saal einige ungläubige Blick als er den Abriss des „Palasts der Republik“ mit der Sprengung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban im Jahr 2001 verglich.

Kritisch merkt Friedrich an, dass im derzeitigen Journalismus ein Übergewicht der Meinung über den Fakten bestehe. Bei ihm würden alle zu Wort kommen, seine rote Linie wären Aufrufe zur Gewalt. Deshalb auch das recht unkritische Porträt des AfD-Chefs Tino Chruppala in der OAZ. Es kämen in der Zeitung ja auch Ministerpräsident Michael Kretschmer oder Linke zu Wort. Die Einschätzung des Verfassungsschutzes spiele da für ihn keine Rolle. Mit Blick auf die Ostberichterstattung störe ihn „der ganze Naziquatsch“, denn es gebe da „nur ein paar Idioten“. Die EU wiederum sei „die geilste Geschichte, die je passiert ist“.

An Selbstbewusstsein fehlt es Holger Friedrich dabei nicht: Die OAZ werde das führende Medium in Ostdeutschland werden und auch Einmischung in die Redaktion behält er sich vor: „Wenn es sein muss, habe ich das letze Wort“, sagt er und beklagt sich über die Macht von Betriebsräten in Deutschland. 

Doch warum das alles? „Der romantische Reflex eines Ostdeutschen“, begründet Holger Friedrich sein Projekt. Streit nimmt er dabei durchaus in Kauf, sagt zu seiner Blattlinie: „Umso kontroverser etwas ist, desto besser!“ Das gilt wohl auch für Diskussionsrunden mit ihm. 

Text: Eric Hofmann, Bilder: Holm Helis

Vom Einsturz zur Vision. Die Carolabrücke als Zukunftsprojekt für Dresden

Die Carolabrücke – „mehr Zentrum geht nicht!“, sagt Steffen Marx. Und weiß, wovon er spricht: Denn der Direktor des Instituts für Massivbau an der TU Dresden ist der Mann hinter der Ursachenforschung zum Einsturz der Carolabrücke. Folgerichtig standen die Zukunft der neuen, alten Elbquerung und er im Mittelpunkt des letzten Clubabends im Dresdner Presseclub.

Marx weitete zunächst den Blick über Dresden hinaus. „In Italien stürzt jedes Jahr mindestens eine Brücke ein. Wenn wir so weitermachen, kommen wir auch dahin.“ Deutschland habe keine schlechten Bauwerke, pflege sie aber unzureichend. Infrastruktur werde über Jahre auf Verschleiß gefahren, Investitionen würden zugunsten kurzfristiger Wahlversprechen vertagt. Über 1000 Brücken bundesweit seien mit jenem Spannstahl gebaut, der auch bei der Carolabrücke verbaut wurde. Ein Sondervermögen allein reiche für die Bauwerke nicht aus.

Wie den Berichterstattungen der DNN, der Sächsischen Zeitung und der Dresdner Morgenpost bzw. TAG24 zu entnehmen waren, muss sich der Abend aber um erfreulichere Dinge gedreht haben: Die schier unendliche Spurendiskussion entlang der Brücke etwa. Eine neue Elbquerung müsse leistungsfähig sein – vier Autospuren seien dafür aber nicht zwingend nötig, formulierte Marx am Abend auch, nun, deutlich. Staus entstünden meist nicht auf der Brücke selbst, sondern an den Kreuzungen davor und dahinter. Würden diese Bereiche umgebaut, ließe sich der Verkehr auch mit weniger Spuren flüssig organisieren.

Für Marx ist klar: Dresden habe mit dem Neubau eine seltene Chance. „Die Carolabrücke – mehr Zentrum geht nicht. Lasst uns die Chance nutzen und gemeinsam sagen, was wir unter einer guten Brücke verstehen.“

Dank des Moderators des Abends, Journalist Peter Hilbert, haben Sie die Chance, den Presseclub zu unterstützen und ebenso davon zu profitieren. Denn Hilbert ist nicht nur ein ausgewiesener Experte in sämtlichen Brücken-, Kraftwerks- und anderen technischen Fragen. Er ist auch Autor des Buches „Der Brückeneinsturz. Dramatische Ereignisse, Geschichte und Geschichten rund um die Carolabrücke und andere Dresdner Elbebrücken“, das es in den „DDV Lokalen“ und Buchhandlungen zu erstehen ist. Die Einnahmen möchte Hilbert freundlicherweise dem Presseclub spenden. Wir danken dir dafür sehr, lieber Peter.

Text und Bild: Erik Töpfer

Neuer Vorstand für den Presseclub Dresden gewählt

Im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung hat der Presseclub Dresden die Weichen für die kommenden zwei Jahre gestellt. Die Mitglieder wählten einen Vorstand, der Kontinuität und neue Impulse miteinander verbindet.

Neu in das Gremium gewählt wurden Barbara Knifka als Beisitzerin und Alexander Holzhauer als Schatzmeister. Beide bringen umfassende Expertise, wertvolle Netzwerke und große Verbundenheit mit dem Journalismus mit. Mit ihrem Engagement werden sie die Arbeit des Presseclubs in den kommenden zwei Jahren aktiv mitgestalten.

Weiterhin an Bord sind die beiden Vorsitzenden Andreas Weller und Tobias Wolf sowie Sabine Mutschke und Michael Hiller als Stellvertreter sowie Erik Töpfer und Thomas Kaulfuß als Beisitzer. Sie stehen für Erfahrung, Stabilität und eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Clublebens.

Im Zuge der Versammlung wurden zudem zwei langjährige Vorstandsmitglieder verabschiedet: Juliane Federowski und Bettina Klemm. Beiden gilt unser herzlicher Dank für ihr Engagement und ihren Einsatz für den Presseclub Dresden.

Ein besonderer Dank richtet sich an Bettina Klemm, die über viele Jahre hinweg prägend im Vorstand gewirkt hat. Mit ihren Ideen, ihrer Energie und ihrer spürbaren Leidenschaft für den Journalismus hat sie wichtige Impulse gesetzt und den Club nachhaltig bereichert. Umso mehr freuen wir uns, dass sie dem Presseclub weiterhin als Mitglied verbunden bleibt.

Mit dem neu gewählten Vorstand blickt der Presseclub Dresden optimistisch nach vorn. Auch 2026 dürfen sich die Mitglieder auf spannende Clubabende, hochkarätige Gäste und anregende Diskussionen freuen. Ziel bleibt es, einen offenen Raum für Austausch, Debatte und Vernetzung in der Dresdner Medienlandschaft zu bieten.

v.l.n.r.: Alexander Holzhauer, Thomas Kaulfuß, Barbara Knifka, Erik Töpfer, Sabine Mutschke, Michael Hiller, Tobias Wolf, Andreas Weller